
18 UNSER HERDECKE
DER SANDSTEIN
Sandstein gilt, zumindest im heimischen
Raum, als vielseitiger und beständiger
Werkstoff, der bei entsprechender Behandlung
und Inszenierung auch höchsten
ästhetischen Ansprüchen genügt. Von der
fein ziselierten Bildhauerei über kunstvolle
Steinmetzarbeiten bis hin zu monumentalen,
die Zeiten überdauernden Brückenkonstruktionen
- in diesem Stein steckt Erstaunliches.
Was heute gesprengt, zersägt, behauen
und kunstvoll mit Mörtel wieder zusammengefügt
einen sakralen oder weltlichen
Prachtbau besonderer Güte ergibt, war
einst Meeresboden, Küstenlinie oder Wurzelgrund
eines urzeitlichen Waldes: Der
Sandstein. Vor rund 333 bis 315 Millionen
Jahren lagen große Teile des heutigen
Nordrhein-Westfalen an einem tropischen
Meer in Äquatornähe, dem „Karbonmeer“.
Es war die Zeit der Riesenschachtelhalme
und baumartigen Bärlappgewächse. Monströse
Farne bildeten dichte Urwälder und
vielfältiges Leben besiedelte die Flachwasserzonen
von Buchten und Lagunen. Wer
hier allerdings godzillagleiches Getier erwartet,
liegt leider falsch. Tyrannosaurus &
Co. rumpelten erst 150 Millionen Jahre später
auf die Bühne der Weltgeschichte.
Flüsse und Ströme schütteten mit ihrer sandigen
oder tonigen Sedimentfracht aus den
Resten des „Old-Red-Kontinent“ gewaltige
Deltas auf. Auf dem sich langsam senkenden
Untergrund entstanden erste ausgedehnte
Waldmoore, Voraussetzung für die Bildung
von Kohleflözen. Als Folge des gemächlichen
aber unaufhaltsamen Aufstiegs des variszischen
Gebirges wandelte sich die Bildung
mariner Sedimente mehr und mehr
zu einer terrestrischen, limnisch-fluviatilen
Sedimentation. Die Moore und Wälder wurden
dabei immer wieder von gewaltigen Lagen
sandiger Ablagerungen überdeckt. Jede
abgelagerte Schicht erhöhte den Druck auf
die darunter liegenden Sedimente, welche
unter dieser Last entwässerten, verdichteten
und sich nach und nach verfestigten.
Der Bildungsprozess des Sandsteins war
eingeleitet.
Über einen Zeitraum von mehreren Millionen
Jahren baute sich so mit monotoner
Beharrlichkeit eine ca. 3.000 Meter mächtige
Sedimentpackung auf, immer wieder
unterbrochen von insgesamt mehr als 100
Kohleflözen. Die Paläozoischen Gesteinsformationen,
zu denen auch das Karbon
mit seinem Sandstein gehört, hatten in den
folgenden Erdzeitaltern eine wechselvolle
Geschichte. Um es kurz zu machen: sie
wurden von Sedimenten des späteren
Perm und frühen Trias überlagert, weiter
verfestigt und, besonders im Mesozoikum,
einer starken Erosion ausgesetzt. Endogene
Kräfte walkten die Schichten durch und
falteten sie auf. Zuletzt legte die Weichsel-/
Würm-Eiszeit noch einmal kräftig Hand an.
Wenn auch die Region des mittleren Ruhrtales
nicht von kompaktem Inlandeis bedeckt
war, so bildeten Flüsse während der
sich abwechselnden Kalt- und Warmphasen
doch großflächige Schotterterrassen
oder schnitten sich tief in den Untergrund
ein. Das heutige Landschaftsbild um die
Städte Herdecke und Wetter herum entstand.
Und auch der oberkarbonische
Sandstein war stellenweise wieder zum
Greifen nah. Er hieß jetzt Ruhrsandstein,
benannt nach dem Fluss, der in heutiger
Zeit sein Verbreitungsgebiet von Ost nach
West durchfließt.
am Bahnhof
Damit man auch heute noch jubeln kann
wie einst die „Ruhrthal-Zeitung“ vom 22.
Dezember 1906: „Ein herrliches Gotteshaus
ist entstanden, aufgebaut aus dem
festen, heimischen Gestein, so dass es den
Stürmen der Zeit trotzen kann. In dieser
ihrer Festigkeit soll die Kirche predigen,
dass auch die Kirche Jesu Christi fest gegründet
ist, und dass die Stürme der Zeit,
die Wogen des Unglaubens und die Pforten
der Hölle sie nicht überwältigen können.
Wie herrlich steigt der Turm bei aller
Festigkeit doch so schlank und ebenmäßig
hoch zum Himmel empor ...“
DIE ADELSSITZE
Adelssitze sind Stein gewordene Zeugen
einer längst vergangenen Zeit. In Herdecke
gibt es viele dieser historischen Gemäuer.
Einige davon sollen an dieser Stelle einmal
kurz vorgestellt werden, um vielleicht auch
ein wenig Neugierde zu wecken. Denn ein
Besuch dieser Stätten lohnt sich auf jeden
Fall. Gehen wir also auf eine kleine Entdeckungsreise.
HAUS MALLINCKRODT
Beginnen wollen wir unsere kleine historische
Reise am Haus Mallinckrodt in Herdecke.
Ganz im äußersten Westen von Ende
steht das 1348 erstmals erwähnte Haus
Mallinckrodt. Heimatforscher vermuten,
dass die dortige Feldflur ehemals MallingroSandstein